Nach einem Nachmittag im Bodensee, ein paar Bahnen im Freibad oder einem Sprung in die Aare meldet sich das Ohr manchmal erst zwei, drei Tage später: Es juckt, drückt, tut beim Kauen weh. Was viele für “einfach Wasser im Ohr” halten, ist meist etwas Konkreteres: eine Entzündung des äusseren Gehörgangs, im Volksmund Swimmer’s Ear oder Badeotitis genannt. Sie ist unangenehm, aber gut behandelbar, solange man weiss, woran man ist und wann ein Hausmittel reicht und wann nicht.
Was ist ein Swimmer’s Ear und was sind medizinische Fakten zu Wasser im Ohr?
Otitis externa, umgangssprachlich Swimmer’s Ear, ist eine akute Entzündung des äusseren Gehörgangs. Auslöser sind meist Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus, die sich in einem feuchten Gehörgang deutlich wohler fühlen als in einem trockenen. Genau das ist das Grundproblem: Bleibt nach dem Baden Feuchtigkeit im Ohr, verändert sich das Klima im Gehörgang, warm, feucht, mit wenig Luftaustausch, und Bakterien können sich ungestört vermehren.
Wer täglich In-Ear-Kopfhörer oder Hörgeräte trägt, kennt das Problem auch ganz ohne Badi: Die Otoplastik oder der Ohrhörer verschliesst den Gehörgang, Feuchtigkeit staut sich, und es entsteht ein feuchtwarmes Mikroklima, das denselben Bakterien ideale Bedingungen bietet.
Woran erkennt man es? Ein einfacher Test gibt einen ersten Hinweis: Drücken Sie vorsichtig auf den Tragus, den kleinen Knorpelvorsprung vor dem Gehörgang. Reagiert das Ohr mit deutlichem Schmerz, spricht das für eine Entzündung des äusseren Gehörgangs. Bleibt der Druck schmerzfrei und es besteht eher ein dumpfes Druckgefühl, deutet das eher auf einen Paukenerguss hinter dem Trommelfell hin (dazu gleich mehr). Meist zeigt sich zusätzlich eine sichtbare Rötung der empfindlichen Gehörgangshaut, eines der häufigsten und frühesten Anzeichen.
Ein Punkt, der besondere Aufmerksamkeit verdient: Bei Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem kann sich eine solche Entzündung in seltenen Fällen auf den umliegenden Knochen ausbreiten (maligne Otitis externa). Das ist selten, aber genau deshalb gilt hier: lieber einmal zu früh als zu spät zur Ärztin oder zum Arzt.
Nicht jede Reizung im Ohr ist bakteriell. Juckt es stark, ohne dass Eiter oder starke Schmerzen dazukommen, steckt oft eine Pilzinfektion (Otomykose) dahinter, meist durch Aspergillus niger oder Candida albicans, begünstigt durch dauerhafte Feuchtigkeit. Der Unterschied ist relevant, weil Antibiotika-Tropfen gegen Pilze schlicht nichts ausrichten und die gesunde Keimflora zusätzlich aus dem Gleichgewicht bringen können.
Auch ganz ohne Wasser gerät der Gehörgang aus der Balance: Tenside in Shampoos und Kosmetika greifen den natürlichen, leicht sauren pH-Wert der Gehörgangshaut an (normal liegt er bei 5,0 bis 6,0). Kalte Zugluft aus der Klimaanlage im Büro trocknet die Haut zusätzlich aus und lässt das schützende Ohrenschmalz spröde werden. Beides schwächt die natürliche Barriere und macht es Bakterien leichter.
Warum Schweizer Gewässer ihre eigenen Tücken haben

Nicht jedes Wasser ist gleich riskant, und die Gründe dafür sind ziemlich interessant.
Der Bodensee und das Surferohr. Wer regelmässig in kaltem Wasser unter 20 °C schwimmt oder surft und dabei Wind und Kälte im Ohr ausgesetzt ist, regt damit tatsächlich Knochenwachstum im Gehörgang an. Diese kleinen Knochenvorwölbungen heissen Exostosen und sind unter Wassersportlern als “Surferohr” bekannt. Das Problem daran: Sie verengen den Gehörgang und behindern den Wasserabfluss, sodass Wasser gefangen bleibt und Infektionen häufiger wiederkehren.
Das Chlor-Paradox im Hallenbad. Chlorwasser tötet zwar Keime im Becken ab, wäscht aber gleichzeitig das schützende Ohrenschmalz konsequent aus. Die ungeschützte Haut im Gehörgang quillt auf, verliert an Widerstandskraft, und genau das öffnet Bakterien wieder Tür und Tor.
Aare, Limmat und Co. Fliessgewässer mitten in der Stadt tragen oft eine höhere Keimlast als Seen, und die Strömung presst dieses Wasser mit spürbarem Druck tief in den Gehörgang hinein.
Und dann: das Wattestäbchen. Aufgequollene, juckende Haut verleitet fast automatisch zum Griff zum Wattestäbchen. Das Problem: Es reinigt nicht wirklich, sondern erzeugt kleine Mikrorisse in der bereits gereizten Haut und schiebt Ohrenschmalz oft nur tiefer vor das Trommelfell.
Behandlung: Was wirklich hilft, und was das Ohr eher reizt
In Online-Foren kursiert hartnäckig die Empfehlung, ein paar Tropfen einer selbstgemischten Essig-Alkohol-Lösung ins Ohr zu geben. HNO-Fachleute raten davon ab: Eine solche Eigenmischung ist nicht steril und reizt aufgeweichte, bereits gereizte Haut zusätzlich. Medizinische Ohrentropfen mit steriler Essigsäure erfüllen denselben Zweck, nur eben kontrolliert und ohne das Risiko einer zusätzlichen Verunreinigung.
Ist der Gehörgang durch die Entzündung stark angeschwollen, erreichen selbst gute Ohrentropfen den eigentlichen Entzündungsherd oft nicht mehr. In diesem Fall setzt die HNO-Praxis eine kleine Streifeneinlage (Mèche) ein, die für 24 bis 72 Stunden im Ohr verbleibt und die Tropfen gezielt in den Kanal leitet. Erste spürbare Linderung stellt sich bei den meisten Behandlungen nach etwa drei Tagen ein, die Tropfentherapie sollte aber bis zum Ende durchgezogen werden, auch wenn es sich schon besser anfühlt.
Bis der Termin ansteht, hilft eine ganz einfache Massnahme: eine warme Kompresse von aussen auf das Ohr gelegt lindert den Schmerz spürbar. Und nach dem Schwimmen gilt: Föhn auf niedrigster Stufe, rund 30 Zentimeter Abstand zum Ohr, das reicht meist völlig, um Restfeuchtigkeit loszuwerden, ohne die Haut zusätzlich zu reizen.
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Der beste Schutz: trockene Hörgeräte, jeden Tag
Ein Hörgerät steckt den ganzen Tag im Ohr, gibt Körperwärme ab und ist Schweiss ausgesetzt. Ganz unabhängig von Wetter oder Jahreszeit sammelt sich so täglich Feuchtigkeit in der Otoplastik und im Gehörgang. Genau dieses feuchtwarme Klima bietet Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus ideale Bedingungen, sie können Hautreizungen und Entzündungen im äusseren Gehörgang begünstigen. Auf Dauer setzt die Feuchtigkeit ausserdem der Elektronik im Hörgerät zu.
Kommt es zu einer akuten Reizung oder Entzündung, verordnen Ärztinnen und Ärzte häufig eine Tragepause für das Hörsystem, damit sich der Gehörgang in Ruhe erholen kann. Für viele Betroffene bedeutet das im Alltag plötzlich deutlich schlechter zu hören, was verständlicherweise belastend ist. Kühnis Hörwelt unterstützt in dieser Zeit: Wir desinfizieren kontaminierte Otoplastiken fachgerecht und beraten zu sinnvollen Überbrückungslösungen.
Deutlich angenehmer ist es natürlich, gar nicht erst so weit zu kommen. Mit dem Audinell PerfectDome führt Kühnis Hörwelt neu eine elektronische Trockenstation mit UV-C-Technologie. UV-C-Licht kommt auch in der Medizin zur Desinfektion zum Einsatz, weil es Bakterien zuverlässig abtötet. In nur 60 Minuten trocknet und desinfiziert die Station Hörsysteme und deren Ladestationen, bei Bedarf sogar gleichzeitig während des Ladens, sodass sich die Pflege bequem in die Abendroutine einbauen lässt. Wer sein Hörgerät so regelmässig trocknet, schützt nicht nur den Gehörgang, sondern auch die Lebensdauer des Geräts selbst.
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Häufige Fragen zum Swimmer’s Ear
Was ist ein Swimmer’s Ear, und wie unterscheidet er sich von Wasser hinter dem Trommelfell?
Ein Swimmer’s Ear ist eine akute Entzündung des äusseren Gehörgangs, meist durch Bakterien, die sich in staufeuchten Ohren wohlfühlen. Ein einfacher Test hilft bei der Unterscheidung: Schmerzt es beim Druck auf den Tragus (den Knorpel vor dem Gehörgang), spricht das für die Entzündung. Besteht nur ein dumpfes Druckgefühl ohne Schmerz, steckt eher Flüssigkeit hinter dem Trommelfell (Paukenerguss) dahinter.
Wie bekomme ich Wasser hinter dem Trommelfell wieder raus?
Das Valsalva-Manöver, Nase zuhalten und sanft dagegen ausatmen, öffnet die Eustachische Röhre und unterstützt den Druckausgleich. Abschwellende Nasensprays und Kaugummikauen helfen zusätzlich. Mehr dazu in unserem Beitrag Ohrendruck: Ursachen und Druckausgleich.
Starker Juckreiz nach dem Schwimmen, aber kein Eiter: Bakterien oder Pilz?
Isolierter Juckreiz ohne akute Schmerzen deutet häufiger auf eine Pilzinfektion (Otomykose) hin. Antibiotische Ohrentropfen wirken hier nicht und können die gesunde Keimflora zusätzlich stören.
Sind selbstgemischte Tauchertropfen aus Haushaltsessig sicher?
Nicht wirklich. Haushaltsessig ist nicht steril und kann zusätzliche Keime in ein bereits aufgeweichtes Ohr bringen. Medizinisches Fachpersonal verwendet ausschliesslich sterile Essigsäure-Präparate.
Was passiert bei einem ärztlich verordneten Trageverbot für Hörgeräte?
Die vorübergehend fehlende Hörunterstützung kann im Alltag belastend sein. Kühnis Hörwelt desinfiziert betroffene Otoplastiken fachgerecht und berät zu sinnvollen Überbrückungslösungen für diese Zeit.
Ab welchem Alter fertigt Kühnis Schwimmschutz für Kinder?
Ab etwa 3 bis 4 Jahren. Da Kinderohren schnell wachsen, empfiehlt sich alle 6 bis 12 Monate eine Kontrolle der Passform. Mehr dazu unter Gehörschutz für Kleinkinder.
Was ist der Audinell PerfectDome, und wozu dient er?
Der Audinell PerfectDome ist eine elektronische Trockenstation mit UV-C-Technologie. Sie trocknet und desinfiziert Hörsysteme und deren Ladestationen in rund 60 Minuten, bei Bedarf auch gleichzeitig während des Ladens. Regelmässige Trocknung reduziert die Feuchtigkeit im und ums Hörgerät und beugt so den in diesem Artikel beschriebenen Reizungen und Infektionen im Gehörgang vor.