Gewöhnung an ein Hörgerät

  • Von Michael,
  • 26. März 2024

Wenn jemand zum ersten Mal ein Hörsystem bekommt passiert immer das Gleiche. Viele Töne und Geräusche klingen unnatürlich laut und unangenehm. Und gleichzeitig hilft das Hörgerät aber nicht so gut, wie man erhofft hat. Woran liegt das?

Warum ist die Angewöhnung so schwierig

Oft werden Hörgeräte nicht dann angepasst, wenn der Betroffene den Hörverlust zum ersten Mal bemerkt, sondern erst Jahre später. In der Zwischenzeit findet eine Hörentwöhnung statt. Das bedeutet, das Gehirn kann sich nicht mehr erinnern, wie gewisse Töne einmal geklungen haben. Wollte man so einen Hörverlust von heute auf morgen korrigieren, würde niemand das Hörgerät tragen. Viel zu unangenehm laut wären alle Geräusche. Deshalb geht man langsam, Schritt für Schritt vor. Man braucht also etwas Geduld und muss sich bewusst sein, dass erst am Ende des Angewöhnungsprozesses, auch der volle Nutzen des Hörgeräts ausgeschöpft werden kann.

Wie lange dauert die Gewöhnung an ein Hörgerät

Die Gewöhnung an ein Hörgerät dauert von Person zu Person unterschiedlich lange. Es ist abhängig von vielen Faktoren, wie zum Beispiel dem Alter des Hörgeräteträgers, der täglichen Tragedauer oder dem Hörverlust. Je nach Art und Grad eines Hörverlusts ist es fürs Gehirn einfacher oder schwieriger sich an einen neuen Klang zu gewöhnen. So variiert die Dauer zwischen sechs Wochen und drei Monaten. Ein zweiwöchiges Probetragen bringt also überhaupt nichts, denn danach ist man noch nicht in der Lage abzuschätzen, ob das Hörgerät hilft. Nehmen Sie sich also Zeit für eine ausführliche Probezeit in der Sie das Gerät möglichst den ganzen Tag tragen.

Wie kann ich das beeinflussen

Beeinflussen können Sie die Angewöhnung vor allem durch Zeit und Geduld. Seien Sie sich von Anfang an bewusst, dass man nicht einfach ein Hörgerät kaufen kann und dann ist alles wieder wie früher. Die Anpassung an ein Hörsystem ist ein Prozess und sollte in regelmässigen Abständen durch eine Kontrolle beim Hörgeräteakustiker begleitet sein. Bei diesen Kontrollen wird die Einstellung laufend weiter optimiert und auf Ihre persönlichen Bedürfnisse angepasst, bis nach ein paar Wochen dann Ihre ganz individuelle Einstellung erarbeitet wurde.

Durch regelmässiges Tragen von morgens bis abends können Sie massgeblich dazu beitragen, dass der Prozess fortschritte macht. In der Regel sind es mindestens acht Stunden. Ausserdem hilft es, wenn sich der Hörgeräteträger Notizen macht. Dadurch können wir bei einer Kontrolle spezifisch auf die Punkte eingehen, die besonders gut oder unangenehm waren.

Folgen von ungenügender Eingewöhnung

Jeder der sich nicht genügend an ein Hörgerät gewöhnt hat, kann nicht den vollen Nutzen spüren. Durch zu wenig Gewöhnung entstehen für den Kunden unangenehme Geräusche. Man empfindet gewisse Töne als unnatürlich und zu laut. Einzig, weil das Gehirn keine Zeit bekommt, um sich an diese Klänge zu erinnern. Alles klingt also unnatürlich und somit nicht befriedigend. Als Folge kann die Anpassung nicht weiter vorangebracht werden und man bleibt an einem Punkt stehen an dem das Hörsystem noch nichts nützt, weil es noch zu leise ist, aber sich gleichzeitig zu laut anfühlt, weil die Gewöhnung fehlt.

In diesem Fall hilft nur eines. Sich nochmals neu zu überlegen, für welche Situationen man sich mit einem Hörsystem eine Verbesserung verspricht und dafür die Anpassung nochmals richtig in Angriff zu nehmen. Dies ist übrigens auch das Vorgehen, wenn jemand zwar ein Hörgerät besitzt, es aber nie trägt. – Und wenn es dann doch mal wieder aus der Schublade geholt wird, klingt es unangenehm und hilft nicht wirklich. Der Grund ist: Man hat sich nicht an das Hören mit Hörgerät gewöhnt.

In diesem Sinne. Tragen Sie ihr Hörsystem regelmässig! Nur so können Sie sich auch sicher sein, dass Sie den vollen Nutzen aus Ihrem Hörgerät spüren können.

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